Kaltnaggisch? Hä???   
Kaltnaggisch" ist Dialekt und bedeutet "kalt und nackt".
Es ist der (nicht gerade sehr nett gemeinte) Spitzname des Binger Ortsteils Bingerbrück. Da aber die Bingerbrücker Humor haben (siehe Foto unten), haben sie den Namen "adoptiert/ akzeptiert".
Erst im März 2015 habe ich von einem Besucher meiner Homepage, dem gebürtigen Ex-Bingerbrücker Michael Ludwig, der früher im Haus Nr. 17 in der Drususstraße wohnte, von folgender Geschichte erfahren:

    “1865 gab es auf dem Scheitelpunkt der Drususstraße nur drei Häuser, und zwar die der Nummern 15, 17, 19. Daneben und dahinter standen keine, es gab nur Felder, Wiesen, Bäume. Erst an der Drususbrücke und weiter Richtung Rupertsberg gab es weitere Gebäude. Wenn man nun von Bingen - z.B. an der Nahe stehend - dort hinauf schaute, sah man nur diese drei Häuser; die Bäume bogen sich im Wind und es kam der Spruch auf: ”Schaut mal, wie kalt und “naggisch” die 3 Häuser da stehen!”
    Dies war der Ursprung des bis heute bekannten Spruches, der im Laufe der Zeit dann auf das gesamte Bingerbrück übertragen wurde. Interessanterweise findet sich kaum noch jemand, der sich daran erinnert. Ich hatte diese Geschichte von meinen Großeltern gehört, und als ich vor ca. 20 Jahren von einem alten Nachbarn einmal eine Postkarte gezeigt bekam, die genau diesen Anblick zeigte, erzählte er das Gleiche.”


    (Danke an Herrn Ludwig für diese Information!)

    Dank Internet habe ich herausgefunden, dass es noch einen Ort im Saarland gibt, der so genannt wird: Herrensohr, ein Ortsteil von Dudweiler. Liebe Grüße an Kaltnaggisch im Saarland!

Zerstörungen des Krieges wie auch eine unselige Verkehrsführung (B 9/sog. Darmverschlingung etc.), damit verbunden Wegfall von Gärten und Bäumen, Abriss schöner alter Gebäude, Verfall und vernachlässigte Haupstraße,  veränderten das Bild der ehemals selbständigen Gemeinde Bingerbrück extrem.
Bedingt durch ihre Lage - Knotenpunkt für Straße und Schiene - bestimmt der Verkehr immer mehr das Bild. Die ehemals von kleinen Geschäften bestimmte, mit Platanen gesäumte Hauptstraße (Koblenzer Straße), bietet heute einen eher trostlosen Anblick: wenig Grün, viele heruntergekommene Gebäude und ... viel Verkehr. Lichtblicke: Nach und nach wird das ein oder andere Gebäude liebevoll restauriert.

Die Landesgartenschau im Jahr 2008 hat sicherlich auch hier einiges bewirkt: So wurde der wirklich hässliche Bahnhof Bingerbrück (korrekt: Hauptbahnhof Bingen) renoviert, auch der Bahnhofsvorplatz gleicht nicht mehr einer Schotterpiste. Der frühere Marktplatz (heute Venarey-Les-Laumes-Platz) wurde neu gestaltet und bepflanzt. Der nicht besonders originelle Betonbrunnen wurde entfernt und ein neuer, moderner und filigraner Brunnen ziert heute den Platz. Die seit Jahren gemütlich vor sich hin rostenden Schutzgeländer an dieser Stelle wurden ebenfalls erneuert....
Ein wenig mehr Grün entlang der Koblenzer Straße würde unseren Stadtteil sehr aufwerten. Einige Hausbesitzer gehen mit gutem Beispiel voran und begrünen ihre Häuser oder werten sie mit Blumenschmuck auf.
                                  
                                                         Selbstbewusst sind sie, die Bingerbrücker!
                   
 S'Lob vun Bingerbrick  -   Soundfile (mp3/Größe: 2,21 MB - in Nachlass entdeckt!)